Frage:
Ein Mann verfügte vor seinem Tod, dass sein ältester Sohn seine jüngeren Schwestern nicht verheiraten lassen soll, bis sie die Universität abschließen, mit der Begründung, dass heutzutage Männer nicht zuverlässig sind und Frauen heiraten und sie jederzeit verlassen können. Dadurch werden Frauen machtlos und hilflos. Wenn sie jedoch studieren und die Universität abschließen und dann eine Trennung von ihrem Ehemann stattfindet, können sie arbeiten und müssen nicht auf die Unterstützung anderer angewiesen sein. Nach dem Tod des Vaters sind die Schwestern älter geworden, und er fürchtet, dass sie durch den Universitätsbesuch in eine Versuchung geraten könnten, sei es durch die Vermischung der Geschlechter oder andere Formen von Verderbnis. Hat der Vater das Recht, seine Anweisung nicht auszuführen? Und was sagen Sie zu dem Vers aus dem Quran, in dem es heißt:
﴿ يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِذَا نَكَحْتُمُ الْمُؤْمِنَاتِ ثُمَّ طَلَّقْتُمُوهُنَّ مِنْ قَبْلِ أَنْ تَمَسُّوهُنَّ فَمَا لَكُمْ عَلَيْهِنَّ مِنْ عِدَّةٍ تَعْتَدُّونَهَا فَمَتِّعُوهُنَّ وَسَرِّحُوهُنَّ سَرَاحًا جَمِيلًا ﴾
"Wer (nämlich der Erbe) nachdem er von ihm (dem Verstorbenen) Kunde bekommen hat, (sein Vermächtnis) ändert, dem liegt dessen Sünde nur bei dem, der sie abändert." [Al-Baqara: 181]
Antwort:
Ich sage: Dieses Testament ist nicht bindend und sollte nicht beachtet werden. Wenn eine Frau von einem geeigneten Mann umworben wird und einverstanden ist, sollte sie heiraten, ohne Rücksicht auf das Testament ihres Vaters. Und was den Vers des Allmächtigen betrifft: "Wer (nämlich der Erbe) nachdem er von ihm (dem Verstorbenen) Kunde bekommen hat, (sein Vermächtnis) ändert, dem liegt dessen Sünde nur bei dem, der sie abändert." [Al-Baqara: 181], ist damit das nützliche Testament gemeint. Für andere Fälle hat Allah, der Allmächtige, gesagt::
﴿ فَمَنْ خَافَ مِنْ مُوصٍ جَنَفاً أَوْ إِثْماً فَأَصْلَحَ بَيْنَهُمْ فَلا إِثْمَ عَلَيْهِ ﴾
"Wer aber von Seiten eines Erblassers Abweichung oder Sünde befürchtet und zwischen ihnen schlichtet, den trifft keine Sünde." [Al-Baqara: 182].
Dies ist zweifellos eine Ungerechtigkeit: Eine junge Frau möchte heiraten, und man sagt: "Nein, bis du deinen Universitätsabschluss hast", und wir wissen nicht, vielleicht fällt sie zwei- oder dreimal durch und bleibt jahrelang. Wichtig ist, dass dieses Testament ungerecht und nicht umzusetzen ist.
Scheich Muhammad ibn al-Uthaymin, rahimahullah
Quelle: Audioaufnahme Nr. لقاء الباب المفتوح [214]. Übersetzung Abu Davut Konyevi.